Amoureuxee

„Von Trends der Modeindustrie halte ich nicht viel“ Katja Heinemann alias Amoureuxee im Interview

Inmitten der bunten Modebloggerszene fällt eine ganz besonders auf. Bloggerin Katja Heinemann alias Amoureuxee (hier gehts zu ihrem Blog) hebt sich von der Masse ab: Lässige Dreadlocks, stimmungsgeladene Fotografie und jede Menge Fair Fashion. Die bodenständige Leipzigerin hat eine Nische gefunden, die mit fast 50.000 Instagramfans großen Zuspruch erhält.

Blind Modetrends folgen, um zu gefallen? Für Katja a.k.a. Amoureuxee ein absolutes No-Go! Im Interview erklärt uns die 20-Jährige, wie sie zu Fashionkonsum steht, warum Nachhaltigkeit nicht verbreiteter ist und weshalb es manchmal schwierig sein kann, persönliche Gedanken im Netz zu teilen.

Amoureuxee im Interview

lovethislook.de: Wie bist Du auf den Namen „ Amoureuxee“ gekommen?

Katja: Ehrlich gesagt ist das keine spektakuläre Angelegenheit. Ich war 14, brauchte einen coolen Instagramnamen und wollte etwas Französisches. „Amoureux“ für „liebenswert“ war schon vergeben, also fügte ich kurzerhand zwei ´e´ hinzu.

lovethislook.de: Wie sieht ein typischer Alltagslook von Dir aus?

Katja: Ich trage sehr gern schwarze Hosen, Dr. Martens in jeglicher Ausführung und bequeme Oberteile. Das können Vintage-Pullover, weite Mäntel oder T-Shirts aus dem Schrank von meinem Papa sein.

lovethislook.de: Wie stehst Du zu Trends?

Katja: Das kommt ganz darauf an in welche Richtung dieser Trend geht. Von Trends der Modeindustrie halte ich generell nicht wirklich viel, weil sie mir als Konsumentin nur vermitteln wollen, welche Kleidungsstücke ich als nächstes unbedingt kaufen sollte. Ich investiere lieber in Kleidung, die ich ein paar Jahre tragen kann, die eine gute Qualität besitzen und die nicht nächste Saison out sind, weil die Trends sich ständig ändern.

Gesellschaftliche Trends wie zum Beispiel der aktuelle Trend einer veganen Ernährung oder dem Trend gerade als Frau selbstbestimmt zu handeln kann ich schon eher folgen. In dieser Hinsicht finde ich die Tatsache wichtig, dass eine breite Masse angesprochen wird, sich mehr mit dem Thema befasst und dann hoffentlich ein Umdenken stattfindet.

Dennoch sollte man in meinen Augen nicht einfach allem blind folgen und bei jeder neuen Aktion mitmachen. Wichtig ist es für sich selbst herauszufinden, was einem wichtig ist. Trends sollten nur ein kleiner Anstupser oder eine Inspiration dazu sein neue Wege zu gehen.

lovethislook.de: Nachhaltigkeit ist ein großer Schwerpunkt auf Deinem Blog „Amoureuxee“. Wann und warum hast Du angefangen, Dich für das Thema zu interessieren?

Katja: Es gab nicht diesen einen Tag, an welchem ich mir dachte, ich sollte mich mit Nachhaltigkeit befassen. Viel mehr war diese Idee ein schleichender Prozess, immer wieder mit Höhen und Tiefen von meiner Seite. Ich fing an mich immer mehr zu informieren, schaute verschiedene Dokumentationen, folgte anderen Bloggerinnen und habe angefangen mich zu fragen, ob ich zum Beispiel Fast Fashion wirklich weiter unterstützen möchte.

Zwischen all dieser Ausbeutung, eingestürzten Fabriken und anderen Missständen beschloss ich schlussendlich mich Schritt für Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen und lerne dabei jeden Tag etwas Neues.

lovethislook.de: Was sind Deine liebsten Fair Fashion Labels?

Katja: Ich befasse mich jetzt schon seit mehreren Jahren mit diesem Thema und trotzdem lande ich schlussendlich immer wieder in Second Hand Läden oder auf Flohmärkten. Dort finde ich einfach die schönsten Teile und Unikate.

lovethislook.de: Was hältst Du von den Öko-Kollektionen von großen Modeketten wie H&M und Co.?

Katja: Nicht besonders viel. Natürlich ist es wichtig als Unternehmen in diese Richtung zu schauen und versuchen mehr für die Umwelt und die nachhaltige Herstellung zu tun. Dennoch finde ich es falsch Käuferinnen und Käufern durch eine „nachhaltige Kollektion“ das schlechte Gewissen zu nehmen, ihnen einzureden man würde etwas helfen und hintenrum trotzdem nicht komplett in diese Richtung zu handeln.

Nachhaltige Mode bedeutet für mich nicht nur fair produzierte Kleidung zu kaufen, sondern sich auch mit dem eigenen Konsum auseinanderzusetzen. Wie soll das passieren, wenn trotzdem alle zwei bis drei Wochen eine neue Kollektion in die Läden kommt? Wieso sollte ich meine getragene Kleidung zum Beispiel zu H&M bringen, damit sie laut ihrer Werbung recycelt wird und dann mit einem Gutschein weiter in Fast Fashion investieren? Wieso darf auf ein Etikett Nachhaltigkeit gedruckt werden, nur weil Bio-Baumwolle verwendet wurde und die Näherinnen trotzdem ausgebeutet werden?

lovethislook.de: Warum glaubst Du ist Fair Fashion nicht noch verbreiteter?

Katja: Faire Mode steckt noch in ihren Startlöchern und obwohl das Angebot inzwischen ziemlich weit aufgestellt ist wird es oft noch mit „altbacken“ assoziiert und stößt somit natürlich bei vielen Menschen von vornherein auf Ablehnung. Außerdem glaube ich trägt vor allem die Influencer-Szene viel dazu bei.

Viele von meinen Kolleginnen und Kollegen werben immer noch für Fast Fashion und dadurch besteht glaube ich bei vielen ihrer FollowerInnen einfach nicht der Anreiz dazu. Noch dazu hat man in den Einkaufsmeilen der Großstädte immer noch mehr Läden wie zum Beispiel Zara und H&M.

lovethislook.de: Auf Instagram folgen Amoureuxee bereits über 40.000 Menschen. Was sind Deine Tipps für richtig gute Instagram-Fotos?

Katja: Auf Instagram selbst scheint es kein richtig und falsch mehr zu geben und irgendwie ist das Instagramformat nicht mehr mein persönlicher Anspruch. Ich mag die Fotografie an sich und versuche sie in meine Bilder mit einfließen zu lassen. Sei es durch eine gute Qualität des Fotos, oder vielleicht auch durch eine Art künstlerische Idee. Ich glaube wir sollten aufhören Dinge nur für Instagram zu machen, die Begriffe richtig und falsch aus diesem Zusammenhang streichen und einfach mehr Spaß daran haben.

lovethislook.de: „Follower auf Instagram zu haben kann schön sein, am Abend Fotos von sich selbst auf dem Campus zugeschickt zu bekommen eher nicht,“ schreibst Du auf dem Blog. Vielen sind die negativen Seiten von Social Media nicht bewusst. Bereust Du es manchmal, mit Amoureuxee in die Öffentlichkeit getreten zu sein?

Katja: Das kommt immer ein bisschen auf meine aktuelle Stimmung an. Generell versuche ich nichts in meinem Leben zu bereuen und mit meinen Gedanken in der Vergangenheit zu hängen, sondern Positives zu sehen und das Beste aus einer Situation zu machen. Mein Blog hat mir gezeigt, dass ich stark und selbstbewusst sein kann, ich habe gelernt mit meinen Problemen umzugehen, ich habe mehr über mich selbst gelernt, über meine Fähigkeiten und das würde ich auf keinen Fall rückgängig machen wollen.

Wie schon im Beitrag beschrieben kann es dennoch manchmal schwierig sein sensible Gedanken öffentlich aufzuschreiben. Nicht immer läuft alles gut im Leben und genau darüber schreibe ich. Ich möchte meinen LeserInnen Verständnis geben, Gefühle aufschreiben die sie vielleicht selbst nicht formulieren können und hoffe im Gegenzug natürlich selbst auf einen respektvollen Umgang.

lovethislook.de: Was muss sich Deiner Meinung nach in der Social Media-Welt unbedingt ändern?

Katja: In meinen Augen jede Menge, aber ich glaube meine Wunschvorstellung würde den Rahmen dieses Interviews um einiges sprengen. Vielleicht fangen wir einfach damit an zu verstehen, dass es auch außerhalb dieser sozialen Medien ein Leben gibt, was viel bedeutender und wichtiger für uns sein sollte.

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